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Die Stimmen der Blogger aus Israel
Sternstunde der Propaganda 
21st-Oct-2014 02:28 am
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Sternstunde der Propaganda

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

20. Oktober 2014 - - Medien & Einspruch, Neuste Beiträge

Sternstunde Philosophie_Krähenbühl

Pierre Krähenbühl, Generalkommissar der UN-Agentur für Palästinaflüchtlinge, bei Sternstunde Philosophie. Foto: screenshot

Bei „Sternstunde Philosophie“ (SRF 07.09.2014) hat der „ranghöchste Schweizer bei der UNO“, der Generalkommissar der UNO-Agentur für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, ein Interview gewährt zum Thema: „Wie soll es nach dem neusten Krieg in Gaza weitergehen?“

Barbara Bleisch vom SRF sprach mit ihm über Politik, persönliche Empfindungen und die Rolle der Schweiz.

Krähenbühl stellte manche falsche Fakten in den Raum. Es scheint, als ob er nicht einmal die Regeln seiner eigenen Organisation kenne. Er sprach von „palästinensischen Flüchtlingen“, die seine Organisation, die UNRWA, betreue. Offiziell ist bei der UNRWA jedoch nicht von „Palästinensern“ die Rede, sondern von „Arabs of Palestine“. Der Begriff „Palästinenser“ tauchte erstmals 1968 in der von Jassir Arafat formulierten PLO-Charta auf. Die UNO hat bei der Gründung ihrer Hilfsorganisation UNRWA für „Araber aus Palästina“ klar gemacht, dass sie sich nicht um jüdische Flüchtlinge kümmert.

Während Araber aus dem heutigen Staatsgebiet Israels „geflohen“ sind, „vertrieben“ laut Krähenbühl oder „ethnisch gesäubert“, gemäss dem palästinensischen Narrativ, sind Juden genauso vor jordanischen Truppen aus
Gusch Etzion, dem jüdischen Viertel in der Altstadt Jerusalems, aus Newe Jaakov (heute eine sogenannte „jüdische Siedlung“ in Ostjerusalem) und anderen Orten geflohen oder vertrieben worden. Über diese Flüchtlinge redet auch heute niemand. Genauso wie die rund 800.000 jüdischen Flüchtlinge aus der arabisch/islamischen Welt von Marokko bis Iran über Irak, Jemen, Libyen und Syrien totgeschwiegen werden.

Zu den palästinensischen Flüchtlingen sagt Krähenbühl: „und natürlich sind es inzwischen ihre Kinder und folgenden Generationen“. Erstaunlich, was er da als „natürlich“ bezeichnet. Offenbar ist ihm unbekannt, dass die
UNO-Flüchtlingsorganisation UNHCR, verantwortlich für die restlichen Millionen Flüchtlinge in aller Welt, ein anderes Mandat hat. Bei ihr ist der Flüchtlingsstatus keineswegs vererbbar „bis ins zehnte Glied“ wie es in der
Bibel heissen würde, oder bis in die vierte Generation, wie Krähenbühl behauptet. Laut UNHCR sind Flüchtlinge umgehend in den Gastländern oder in ihrer alten Heimat einzugliedern und einem normalen Leben zuzuführen. Bei der UNHCR vererbt sich der Flüchtlingsstatus keineswegs bis in alle Ewigkeit. Weder deutsche „Vertriebene“ noch der von Krähenbühl als Beispiel erwähnte afghanische Junge in Pakistan werden in der zweiten Generation als Flüchtlinge anerkannt. Dieses einzigartige Vorrecht geniessen allein die Palästinenser.

Weiter behauptet Krähenbühl, dass Palästinenser nicht nach Palästina zurückkehren könnten, „weil es kein Land gibt“.

Schade, dass die Journalistin Barbara Bleisch da nicht Krähenbühl bei seinen eigenen Widersprüchen gepackt hat. Tatsächlich gibt es seit 1948 nicht mehr das britische Mandatsgebiet „Palästina“. Auf diesem Territorium ist der Staat Israel entstanden, während die restlichen Gebiete, das Westjordanland und der Gazastreifen, von Jordanien und Ägypten erobert worden sind. Falls es laut Krähenbühl tatsächlich kein „Palästina“ mehr gibt, in das die Flüchtlinge zurückkehren könnten, fragt sich, was er mit „Palästina“ oder „palästinensische Gebieten“ meint. Diese Begriffe verwendet er ständig: In welchem „Land“ befindet sich der palästinensische Flüchtling in Gaza, Bethlehem oder Ramallah? Wieso redet er von „palästinensischen Gebieten“, von einer „palästinensischen Regierung“ und von palästinensischen Organisationen. Wenn schon über eine Million palästinensische Flüchtlinge in Gaza von der UNRWA anerkannt, registriert und versorgt werden, wieso sollten da keine weiteren Palästinenser hinzukommen können? Handelt es sich um ein fremdes Land wie Libanon oder Syrien, irgendwo im Exil, ausserhalb „Palästinas“?

Für Krähenbühl scheint allein der Staat Israel in den „Grenzen“ von 1967 mit „Palästina“ identisch zu sein. Mit diplomatischen Formeln behauptet also der „ranghöchste Schweizer bei der UNO“, dass nicht einmal die von ihm so bezeichneten „palästinensischen Gebiete“ zu „Palästina“ gehören, während allein der jüdische Staat den auf 5 Millionen Menschen angeschwollenen palästinensischen Flüchtlingen die einzige Lösung anzubieten hätte. Krähenbühl dürfte wissen, dass er so keinen Frieden anstrebt, sondern eine Abschaffung Israels!

Krähenbühl schweigt zu einem besonders absurden Phänomen: Obgleich es eine regierungsähnliche palästinensische Verwaltung in Ramallah und im Gazastreifen auf dem Territorium des ehemaligen Mandatsgebiets „Palästina“ gibt, werden die palästinensischen Flüchtlinge sogar in den Autonomiegebieten und in Gaza bis heute in Lagern gehalten. Ebenso erhalten sie Dienstleistungen wie Gesundheit und Erziehung von der UNRWA und nicht von ihrer Regierung. Man stelle sich vor, die Bundesrepublik Deutschland würde bis heute die rund 14 Millionen Vertriebenen aus Schlesien, Danzig oder Königsberg sowie deren Nachkommen ohne Bürgerrechte in Lagern halten.

Weiter redete Krähenbühl von der israelischen Besatzung und dem Siedlungsbau, der den Palästinensern alle Hoffnung raube. Einmal klingt es, als ob es heute noch „völkerrechtswidrige“ Siedlungen in Gaza gäbe, die den Menschen die Hoffnung rauben. Er erwähnt nicht, dass Israel sich 2005 aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat und dass die berüchtigte Blockade erst 2007, nach dem Putsch der Hamas, in Kraft getreten ist. Die israelischen Gründe dafür, Terror und offiziell von der Hamas initiierte Selbstmordattentate, will er nicht kommentieren. Die Tatsache, dass der Gazastreifen auch über eine Grenze zu Ägypten verfügt und dass die Bewegungsfreiheit der Palästinenser nicht allein wegen Israel eingeschränkt ist, erwähnt er in dem 54 Minuten langen Interview kein einziges Mal. Wenn sich die Palästinenser im Gazastreifen „eingesperrt“ fühlen, weil sie keinen
freien Zugang zu Israel haben, sollte Krähenbühl gleiche Empathie für die „eingesperrten“ Israelis empfinden, die keinen Zugang zu arabischen Ländern wie Libanon, Syrien, Saudi Arabien oder Libyen haben. Übrigens müssen die mitten in Europa eingesperrten Schweizer deutsche, französische, italienische oder österreichische Grenzkontrollen passieren, um auf dem Landweg ins Ausland zu gelangen…

Mit persönlichen, sehr emotionalen Beispielen schildert er das Schicksal eines Unternehmers in Gaza, der seine Fabrik und wegen Schulden sein Haus verloren hat und 50 Angestellte auf die Strasse setzen musste, weil er seine Produkte wegen der Blockade nicht mehr nach Israel und in das Westjordanland verkaufen konnte. Heute sei der Mann auf Lebensmittelhilfe der UNRWA angewiesen.

Menschen leiden immer unter der Politik, Krieg und Konflikten. Mit solchen Einzelschicksalen jedoch die grosse Politik erklären und – wie Krähenbühl es tut – allein Israel und die Blockade für die Misere dieses Mannes verantwortlich zu machen, ist eine höchst fragwürdige Methode. Denn schliesslich war es die mit grosser Mehrheit von den Palästinensern selbst gewählte Hamas, die nicht nur die Warenterminals und Grenzübergänge attackiert hat, bis Israel sie zum Schutz der dort arbeitenden Beamten schließen musste. Dazu zählen der Übergang Karni und das Industriegebiet Erez, wo über Tausend Palästinenser gutbezahlte Arbeit gefunden hatten. Die Hamas  (wie andere radikale Palästinensergruppen) hatten ab 1987 alles
getan, die Palästinenser daran zu hindern, in Israel ihrer Arbeit nachzugehen. Es begann mit einer Mordserie an israelischen Arbeitgebern durch langjährige „treue“ (palästinensische) Angestellte. Zu ihrem eigenen
Schutz warfen die israelischen Fabrikherren oder Farmbesitzer die Palästinenser raus und holten sich Gastarbeiter aus China, Rumänien und Thailand.

Es ist unlauter und einseitig propagandistisch von Seiten des „neutralen“ Schweizers Krähenbühl, anhand solcher Einzelbeispiele unter Auslassung der Hintergründe Mitleid zu erzeugen und alle Schuld auf Israel abzuwälzen.

Überall in der Welt, in der Schweiz wie im Gazastreifen, ist die Bevölkerung das „Opfer“ der Politik seiner eigenen Regierung, zum Guten wie zum Schlechten. Das gilt für Diktaturen und besonders für Demokratien, wozu auch der Gazastreifen gezählt werden muss. Niemand hat die Mehrheit der Palästinenser 2006 gezwungen, einer kriegstreibenden Terrororganisation ihr Votum zu geben. Und jetzt, trotz Krieg und Zerstörung, hat die Hamas laut Umfragen sogar noch an Popularität dazugewonnen. Wenn die Mehrheit der Palästinenser das wünscht, fällt es schwer, Mitleid zu empfinden, wie es Krähenbühl erwartet. Vielleicht will er ja so auch nur die
Existenzberechtigung seiner Organisation und sein wichtiges hohes Amt rechtfertigen.

Selbstverständlich sollten die von Krähenbühl erwähnten Palästinenser in Wohlstand und Frieden leben können. Doch dazu müssten die politischen Bedingungen geschaffen werden. Krähenbühl empfiehlt allein die Kreation
eines palästinensischen Staates. Wenigstens hätte er aufrichtig eingestehen sollen, dass der von ihm beschriebene Unternehmer, der infolge der Blockade alles verloren hat, florierte, als es noch die israelische Besatzung in Gaza
gegeben hat. Denn ausgerechnet damals, als alles noch so wunderbar war, Palästinenser und Israelis einander begegneten und befreundet waren, beschloss die demokratisch gewählte Hamas, Israel mit über 16.000 Raketen zu beschiessen und einen blutigen Terrorkrieg zu führen.

Es ist eine Banalität, die aber der kriegserfahrene Krähenbühl wissen und beherzigen sollte: Jeder Krieg bricht in Friedenszeiten aus!

Den von Krähenbühl so beschworenen Frieden in Europa, und besonders zwischen Deutschland und Frankreich, konnte es erst nach mehreren Kriegen geben. Wobei der letzte Krieg mit einer Niederlage und Kapitulation Deutschlands endete. Vielleicht ist das der Grund, weshalb es in Nahost keinen Frieden geben kann. Noch nie hat eine Partei jemals kapituliert. Aus allen Kriegen gingen nur „Sieger“ hervor, zuletzt die Hamas im Gazastreifen. Kompromissen zuzustimmen für einen Frieden mit dem Feind käme aus nahöstlicher Sicht eher
einer entwürdigenden Niederlage gleich. Das ist eine Erkenntnis, die in das politisch sehr korrekte Weltbild des neutralen Schweizers Krähenbühl kaum passen würde.

© Ulrich W. Sahm für Audiatur-Online

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